Pipettenarten und Justierung

In dieser Woche werden wir uns mit grundlegenden Pipettiertechniken und den verschiedenen Pipetten-Arten beschäftigen. Wir werden ein grundlegendes Verständnis für diese wichtigen Verfahren entwickeln und die korrekte Verwendung von Mikropipetten, Vollpipetten und anderen Pipetten-Arten üben.

Lernziele

  1. Sie kennen die verschiedenen Laborpipetten-Arten und deren entsprechende Genauigkeit (Kolbenhubpipette, Stabpipette, Vollpipette usw.).
  2. Sie kennen die Begriffe Justierung In/Ex.
  3. Sie können Pipetten korrekt handhaben.
  4. Sie können den Meniskus korrekt ablesen.
  5. Sie kennen die Faktoren, die die Genauigkeit der Flüssigkeitsmessung beeinflussen.
  6. Sie kennen die unterschiedlichen Pipettierhilfen und deren Verwendung (manuell und elektronisch).

Laborpipetten

Eine Pipette ist ein wichtiges Laborwerkzeug, das zum Abmessen, Aufnehmen und Abgeben definierter Flüssigkeitsvolumina verwendet wird. Ein korrektes Verständnis der Pipettierarten und deren Justierungsarten ist entscheidend für exakte und reproduzierbare Messergebnisse.

Hintergrund:Geschichte: Heinrich Schnitger und die Entwicklung der Kolbenhubpipette

Heinrich Schnitger (1925–1964), ein deutscher Mediziner, entwickelte in den 1950er-Jahren die erste Kolbenhubpipette. Sein Ziel war es, die ungenauen und gesundheitsschädlichen Methoden des Flüssigkeitstransfers im Labor – bei denen man Flüssigkeiten oft mit dem Mund in Pipetten ansaugte – zu ersetzen. Sein Prototyp von 1957 basierte auf einer modifizierten Metallspritze mit Federmechanismus, Luftpolster und abnehmbarer Kunststoffspitze – viele Merkmale, die bis heute üblich sind. Später erwarb die Firma Eppendorf die Lizenz zur Herstellung und entwickelte seine Erfindung weiter zu den Mikropipetten, die heute weltweit in Laboren verwendet werden.

When a common problem meets an ingenious mind. EMBO Reports, 6(9): 797–800, October 2005. DOI: 10.1038/sj.embor.7400520

Pipettenarten im Labor

Es gibt viele verschiedene Arten von Pipetten, die jeweils für unterschiedliche Anwendungen konzipiert sind. Zwei der gängigsten Pipettentypen sind Vollpipetten und Messpipetten. Beide dienen dem Abmessen und Übertragen kleiner, messbarer Flüssigkeitsvolumina, unterscheiden sich jedoch in ihrer Genauigkeit, Skalierung und Volumenkapazität.

Pipettenart Volumenbereich Skala Genauigkeit Justierung Anwendung
Vollpipette 1–100 ml keine Skala, nur ein Volumen sehr hoch Ex Ein bestimmtes, definiertes Volumen
Messpipette 0,1–50 ml graduierte Skala hoch Ex Flexibles Abmessen verschiedener Volumina
Mikropipette 0,1 µl – 1000 µl digital/mechanisch einstellbar hoch – (ISO 8655, keine In/Ex-Justierung) Präzise Abmessung von kleinen Volumina
Pasteurpipette ca. 1–5 ml, ungeeicht keine niedrig keine Eichung Tropfenweise Abgabe
Dispenser je nach Modell (10 µl–5 ml) digital/mechanisch einstellbar sehr hoch – (ISO 8655, keine In/Ex-Justierung) Wiederholte Abgabe gleicher Volumina

Tabelle 1: Pipettenmerkmale

Ordnen Sie jeder Pipettenart ihren typischen Einsatz zu.

Wähle je ein Element in beiden Spalten, um sie zu verbinden. Wähle ein verbundenes Element, um die Zuordnung zu lösen.

Justierung von Pipetten

Was die Kennzeichnungen «In» (auf Einlauf justiert) und «Ex» (auf Auslauf justiert) bedeuten, ist in Woche 2 erklärt. Für Pipetten gilt:

Geeichte Glaspipetten (Voll- und Messpipetten) sind Ex-justiert: Die abgegebene Flüssigkeitsmenge entspricht der aufgedruckten Volumenangabe. Der kleine Flüssigkeitsrest, der nach dem Auslaufen in der Spitze verbleibt, ist bereits einberechnet und darf nicht ausgeblasen werden. Kolbenhubpipetten und Dispenser folgen dagegen der Norm ISO 8655 und kennen keine In/Ex-Justierung.

Pipetten mit In- und Ex-Kennzeichnung im Vergleich
In- und Ex-Justierung von Pipetten