Handhabung von Voll- und Messpipetten
Allgemeine Regeln zur Handhabung
Die präzise Anwendung von Pipetten ist eine Grundvoraussetzung für zuverlässige und reproduzierbare Ergebnisse. Eine korrekte Handhabung umfasst nicht nur das exakte Ablesen des Meniskus (die gekrümmte Oberfläche der Flüssigkeit, die exakt auf Augenhöhe abgelesen werden muss, um Parallaxefehler zu vermeiden) und das senkrechte Halten der Pipette, sondern auch das Aufnehmen und Abgeben der Flüssigkeit.
Zudem spielen Faktoren wie Temperatur, Viskosität der Flüssigkeit, die Wahl der richtigen Pipettenart sowie die Justierung (In/Ex) eine wichtige Rolle, welche die Genauigkeit der Messung erheblich beeinflussen.
Um eine Pipette richtig zu verwenden, ist es wichtig, die Flüssigkeit gleichmässig aufzuziehen und abzugeben, während die Pipette senkrecht gehalten wird. Tauchen Sie die Spitze dabei richtig in die Flüssigkeit ein und ziehen Sie die Flüssigkeit langsam auf, um Luftblasen zu vermeiden. Beim Abgeben sollte die Pipettenspitze die Gefässwand leicht berühren.
Info:Parallaxefehler
Der Begriff Parallaxe stammt aus dem Griechischen «Parallaxis» und bedeutet «Veränderung». Er beschreibt die scheinbare Verschiebung eines Objekts, die auftritt, wenn es aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird. Ein Parallaxefehler beim Ablesen von Flüssigkeitsvolumen tritt auf, wenn die Skala nicht genau senkrecht oder auf Augenhöhe betrachtet wird.

Anleitung zum richtigen Pipettieren mit Voll- und Messpipette
1. Vorbereitung:
- saubere und unbeschädigte Messpipette mit geeignetem Volumen wählen
- passende Pipettierhilfe (z. B. Pipettierball, elektrische Pipettierhilfe) verwenden
- Flüssigkeit und Pipette sollten Raumtemperatur haben
- Pipette gegebenenfalls 2–3× mit der zu pipettierenden Flüssigkeit vorspülen
2. Flüssigkeit aufziehen:
- Pipette in die Pipettierhilfe stecken und sicher befestigen
- Zu tiefes Eintauchen kann dazu führen, dass mehr Flüssigkeit als gewollt aufgenommen wird, weil zusätzliche Tropfen an der Aussenseite der Spitze hängen bleiben.
- Flüssigkeit etwas über den gewünschten Messstrich aufziehen
- Pipette vorsichtig aus dem Gefäss ziehen, ohne Flüssigkeit zu verlieren
3. Volumen einstellen:
- Pipette senkrecht halten, auf Augenhöhe bringen
- Flüssigkeit langsam bis zum gewünschten Messstrich ablaufen lassen
- Volumenstrich am unteren Rand des Meniskus ablesen
4. Flüssigkeit abgeben:
- Zielgefäss leicht schräg halten
- Pipettenspitze an die Innenwand des Gefässes führen
- Pipette senkrecht halten, Flüssigkeit ablaufen lassen
- Warten (ca. 15 Sekunden), um sicherzustellen, dass die gesamte Flüssigkeit abgeflossen ist
- Justierung der Pipette berücksichtigen
5. Nachbereitung:
- Restflüssigkeit fachgerecht entsorgen
- Pipette gemäss den Laborrichtlinien reinigen und spülen
- Pipette senkrecht in einem Pipettenständer mit der Spitze nach unten lagern
Tipp:Tipps
Für optimale Ergebnisse:
- Das Volumen sollte stets auf Augenhöhe abgelesen werden, um Parallaxefehler zu vermeiden.
- Die Spitze der Pipette nur so weit in die Flüssigkeit eintauchen, wie nötig, also knapp unter die Oberfläche.
- Flüssigkeiten mit unterschiedlichen Viskositäten mit angepassten Geschwindigkeiten pipettieren, um genaue Ergebnisse zu gewährleisten.
- Vermeiden Sie Temperaturschwankungen durch Handwärme oder ungleich temperierte Flüssigkeiten.
- Verwenden Sie für schäumende oder viskose Flüssigkeiten bei Bedarf eine alternative Pipettiertechnik (z. B. Rückwärtspipettieren mit Kolbenhubpipette).
Info:Meniskus genau ablesen
Um einen Meniskus in einer Voll- oder Messpipette genau abzulesen, muss man seine Augen auf Höhe des Flüssigkeitsspiegels bringen und den tiefsten Punkt des Meniskus (die U-förmige Krümmung bei Wasser und den meisten Flüssigkeiten) mit der Skala des Geräts abgleichen.
