Transmission, Absorption und Lambert-Beer
Transmission und Absorption
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Minderung der Intensität des Lichtstrahles in der Probe zu quantifizieren: die Absorption und die Transmission.
Die Transmission ist das Verhältnis der Intensität des Lichtstrahls nach (, transmittiertes Licht) und vor (, einfallendes Licht) dem Durchtritt durch die Probe:
Info:Die Transmission
Die Transmission ist ein dimensionsloser Wert zwischen 0 und 1 (bzw. 0 % und 100 %), der angibt, welcher Anteil des einfallenden Lichts die Probe ungehindert durchdringt. ist dabei die Intensität des einfallenden Lichts und die Intensität des durchgelassenen (transmittierten) Lichts.
Die Absorption ist der negative dekadische Logarithmus der Transmission bzw. der Logarithmus des Kehrwertes der Transmission:
Info:Der Zusammenhang zwischen Absorption und Transmission
Die Absorption ist ein dimensionsloser Wert, der angibt, wie stark das Licht durch die Probe abgeschwächt wird.
Warnung:Achtung
Bei Messungen mit dem Photometer sollte versucht werden, die Absorption unter 1 zu halten (was einer Transmission von 10 % entspricht). Bei höheren Absorptionen lässt die Probe nur noch wenig Licht durch, und die geringere Lichtmenge beeinträchtigt die Genauigkeit der Messung. Ausserdem besteht bei höheren Absorptionen die Gefahr, dass man den linearen Bereich des Geräts verlässt.
Umrechnung zwischen Transmission (T) und Absorption (A)
| Beispiel | Gegebener Wert | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| T → A | T = 0,01 (1 %) | A = log10(1 / 0,01) = log10(100) | A = 2 |
| T → A | T = 0,8 (80 %) | A = log10(1 / 0,8) | A ≈ 0,097 |
| A → T | A = 2 | T = 10−2 | T = 0,01 (1 %) |
| A → T | A = 0,097 | T = 10−0,097 | T ≈ 0,8 (80 %) |
Hintergrund:Beispiel 1
Berechnung der Absorption bei einer Transmission von 1 % (= 0,01 = 1/100):
Hintergrund:Beispiel 2
Berechnung der Absorption bei einer Transmission von 80 % (= 0,8 = 80/100):
Eine Probe lässt nur 1 % des einfallenden Lichts durch (T = 1 %). Wie gross ist die Absorption ?
Absorption vs. Extinktion
Die Begriffe Absorption und Extinktion werden oft synonym verwendet, aber es gibt einen feinen Unterschied: Absorption ist ein Teil der Extinktion. Die Extinktion bezeichnet alle Prozesse, die die Lichtintensität verringern.
Definition:Extinktion …
… ist ein umfassenderer Begriff, der die gesamte Abschwächung von Licht durch ein Medium beschreibt, unabhängig davon, ob diese durch Absorption, Streuung oder Reflexion verursacht wird. Sie hängt mit der Wellenlänge λ (nm) und der Schichtdicke d (cm) zusammen.
Definition:Absorption …
… beschreibt den physikalisch-chemischen Prozess, bei dem Photonen eines elektromagnetischen Strahlungsfeldes von Molekülen aufgenommen werden. Dabei wird die Energie des Lichts auf das Molekül übertragen, meist in Form von elektronischen Anregungen, Schwingungs- oder Rotationsenergie.
Tipp:Bezeichnung in diesem Skript
Bei klaren, nicht streuenden Lösungen sind beide Grössen praktisch identisch. In diesem Skript wird deshalb — wie auf den Anzeigen der Photometer (englisch absorbance) — durchgehend die Bezeichnung Absorption mit dem Formelzeichen verwendet.
In der Praxis wird die Absorption oft gemessen, um die Konzentration einer Substanz in einer Lösung zu bestimmen, da die Absorption proportional zur Konzentration ist. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass die gemessene Absorption auch durch Streuung oder Reflexion beeinflusst werden kann, insbesondere bei Suspensionen oder trüben Lösungen (Abbildung 5).

Lambert-Beer’sches Gesetz
Die quantitative Grundlage der UV/VIS-Spektroskopie bildet das Lambert-Beer’sche Gesetz. Es beschreibt die physikalischen Prinzipien der Lichtabsorption in Lösungen: Die Abschwächung der Lichtintensität beim Durchgang durch ein Medium ist proportional zur Konzentration der absorbierenden Substanz und zur Schichtdicke des Mediums. Das Gesetz vereint zwei Einzelgesetze: Das Lambert-Gesetz (auch Bouguer-Gesetz) beschreibt die Abhängigkeit der Absorption von der Schichtdicke, während das Beer-Gesetz den Zusammenhang zwischen Absorption und Konzentration herstellt.
Die meisten gelösten Moleküle absorbieren Licht im sichtbaren oder UV-Bereich bei charakteristischen Wellenlängen. Dieser Prozess hängt von folgenden Faktoren ab:
- der Konzentration der Substanz
- der Schichtdicke der Lösung (path length)
- dem spezifischen Extinktionskoeffizienten bei der definierten Wellenlänge
Das Lambert-Beer’sche Gesetz beschreibt diese Beziehung mathematisch als:
Definition:Lambert-Beer'sches Gesetz
- = Absorption (dimensionslos)
- = molarer Extinktionskoeffizient (L·mol⁻¹·cm⁻¹)
- = Konzentration der Lösung (mol·L⁻¹)
- = Schichtdicke der Küvette (cm)
Was beschreibt das Lambert-Beer'sche Gesetz?
Hintergrund:Übungsaufgabe
- Bestimmen Sie die Konzentration von Coomassie Brilliant Blue () in jeder Lösung (Glycerin, Ethanol und PBS) von Laborposten 4 – Woche 3.
- Nutzen Sie dazu die Absorptionsdaten bei 595 nm sowie die bereits berechnete Schichtdicke des Wells ( in cm). Verwenden Sie den molaren Extinktionskoeffizienten von 43000 für .
- Die Ergebnisse werden am Praktikumstag gemeinsam mit dem Dozenten oder Tutor diskutiert.
Gültigkeitsbedingungen des Lambert-Beer’schen Gesetzes
Damit das Lambert-Beer’sche Gesetz gültig angewendet werden kann, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein:
- Monochromatische Strahlung Die verwendete elektromagnetische Strahlung darf nur eine einzige Wellenlänge besitzen. Nur so bleibt der Zusammenhang zwischen Konzentration und Absorption eindeutig.
- Verdünnte Lösungen
Das Gesetz gilt nur für ausreichend verdünnte Lösungen. Der lineare Zusammenhang zwischen Konzentration und Absorption besteht nur bis zu einem bestimmten Konzentrationsbereich.
Bei höheren Konzentrationen treten Abweichungen auf, verursacht durch:
- Wechselwirkungen zwischen den absorbierenden Teilchen (z. B. Aggregation, Dissoziation)
- Veränderungen der Wechselwirkung mit dem Lösungsmittel (z. B. geänderter Solvationsgrad)
- Homogene Verteilung der Substanz Die gelöste Substanz muss gleichmässig in der Küvette verteilt sein. Vor jeder Messung ist daher eine gründliche Durchmischung der Lösung erforderlich.
- Keine Lichtstreuung Die Absorptionsmessung darf nicht durch Streuprozesse verfälscht werden. Streuung kann insbesondere bei kolloidalen oder trüben Lösungen auftreten und zu falschen Messergebnissen führen.
Molarer Extinktionskoeffizient (ε)
Der molare Extinktionskoeffizient , auch molarer Absorptionskoeffizient genannt, ist eine stoffspezifische Konstante. Er gibt an, welche Absorption eine 1-molare Lösung bei einer Schichtdicke von 1 cm unter definierter Wellenlänge und konstanter Temperatur aufweist.
Definition:Molarer Extinktionskoeffizient
Der molare Extinktionskoeffizient eines reinen Stoffes ist definiert als:
Einheiten:
- = Absorption
- = Konzentration der Lösung
- = Schichtdicke in (cm)
Warnung:Achtung
- Hoher ε-Wert → starke Lichtabsorption → intensive Färbung der Lösung.
- Niedriger ε-Wert → schwache Lichtabsorption → blass gefärbte oder farblose Lösung.
Was beschreibt der molare Extinktionskoeffizient (ε)?
Bestimmung des molaren Extinktionskoeffizienten (ε)
Der molare Extinktionskoeffizient wird experimentell über eine Verdünnungsreihe und Messung der Absorption bestimmt.
- Vorbereitung einer Verdünnungsreihe
- Mehrere Lösungen der Substanz mit bekannter Konzentration herstellen.
- Konzentrationsbereich so wählen, dass das Lambert-Beer’sche Gesetz noch linear gilt.
- Messung der Absorption
- Absorption jeder Lösung bei der maximal absorbierenden Wellenlänge messen.
- Üblicherweise wird eine Küvette mit 1 cm Schichtdicke verwendet.
- Auftragung der Messwerte
- Absorption gegen Konzentration auftragen.
- Das Ergebnis sollte eine lineare Beziehung zeigen (Lambert-Beer-Gesetz).
- Berechnung des Extinktionskoeffizienten
- Die Steigung der linearen Ausgleichsgeraden entspricht dem Extinktionskoeffizienten:
- Bei anderer Schichtdicke gilt:
Hintergrund:Beispiel

Die lineare Beziehung lautet: