Säuren, Basen und pH-Wert
In dieser Woche werden Sie sich mit dem Thema Säure/Base befassen und die Faktoren kennenlernen, die die pH-Messung beeinflussen können. Sie werden den Umgang mit starken Säuren und Basen erlernen, insbesondere deren Handhabung und Entsorgung. Schliesslich werden Sie lernen, mit dem pH-Meter umzugehen, und die richtige Strategie zur Herstellung einer Pufferlösung sowie deren Funktionsweise verstehen.
Lernziele
- Sie verstehen die Begriffe pH, pOH, pKa und pKb.
- Sie kennen die Funktionsweise eines Puffers.
- Sie können die Funktionsweise eines pH-Meters erklären.
- Sie können ein pH-Meter korrekt bedienen und kalibrieren.
- Sie verstehen, dass die pH-Messung auf einer Elektrodenspannung beruht, und kennen den Einfluss der Temperatur auf die Messung.
- Sie können die pH-Werte von starken Säuren und Basen berechnen.
- Sie kennen den typischen Ablauf für die Herstellung einer Pufferlösung.
- Sie kennen die Sicherheitsmassnahmen für den Umgang mit starken Säuren und Basen und können diese fachgerecht entsorgen.
Säuren und Basen
Definition:Definition nach Brønsted
Nach Brønsted gilt:
- Eine Säure ist ein Protonendonator (gibt H⁺ ab).
- Eine Base ist ein Protonenakzeptor (nimmt H⁺ auf).
Beim Abgeben eines Protons entsteht aus der Säure ihre korrespondierende (konjugierte) Base:
- HA = Säure
- A⁻ = korrespondierende Base
Starke Säuren
Starke Säuren dissoziieren nahezu vollständig. Beispiel: Salzsäure (HCl) — es liegt nahezu kein undissoziiertes HCl mehr vor.
- HCl = Säure
- Cl⁻ = korrespondierende Base
Die korrespondierende Base (Cl⁻) ist sehr schwach.
Schwache Säuren
Eine schwache Säure dissoziiert nur teilweise in Wasser (nur ein Teil der Moleküle gibt H⁺ ab). Es stellt sich ein chemisches Gleichgewicht ein.
Beispiel: Essigsäure (CH₃COOH)
- CH₃COOH = Säure
- CH₃COO⁻ = korrespondierende Base
Die korrespondierende Base (CH₃COO⁻) ist deutlich stärker als die korrespondierende Base einer starken Säure.
Info
- Starke Säure → vollständige Dissoziation → schwache korrespondierende Base
- Schwache Säure → teilweise Dissoziation → stärkere korrespondierende Base
pH-Wert
Definition:pH-Wert
Der pH-Wert einer wässrigen Lösung ist definiert als der negative dekadische Logarithmus1 der Konzentration von Oxoniumionen (H₃O⁺):
In Wasser befinden sich Oxoniumionen (H₃O⁺) und Hydroxidionen (OH⁻) in einem chemischen Gleichgewicht. Dieses Gleichgewicht entsteht durch die sogenannte Autoprotolyse des Wassers.
Definition:Autoprotolyse des Wassers
Unter Autoprotolyse versteht man die Eigenschaft von Wasser, mit sich selbst als Säure und Base zu reagieren. Ein Wassermolekül gibt dabei ein Proton (H⁺) ab und wirkt als Säure, während ein anderes Wassermolekül dieses Proton aufnimmt und als Base fungiert:
In reinem Wasser bei 25 °C liegen diese beiden Ionenarten in gleicher Konzentration vor:
Je mehr Oxoniumionen (H₃O⁺) eine Lösung enthält, desto kleiner ist ihr pH-Wert.
Das Ionenprodukt des Wassers, bezeichnet als , ergibt sich aus dem Produkt der Konzentrationen von Oxonium- und Hydroxidionen:
Wendet man den negativen dekadischen Logarithmus auf das Ionenprodukt an, erhält man den sogenannten pKw-Wert: .
Daraus folgt der Zusammenhang zwischen pH- und pOH-Wert:
Einteilung der pH-Bereiche

Der pH-Bereich wird in drei Hauptkategorien eingeteilt: sauer (z. B. Zitronensaft), neutral (z. B. Wasser) und basisch oder alkalisch (z. B. Ammoniak NH₃). Der pH-Wert wird auf einer Skala von 0 bis 14 gemessen, wobei 7 als neutral gilt. Ein pH-Wert unter 7 ist sauer, während ein Wert über 7 basisch ist.
- pH < 7 entspricht einer Lösung mit saurer Wirkung.
- pH = 7 entspricht absolut reinem Wasser oder einer neutralen Lösung.
- pH > 7 entspricht einer alkalischen Lösung (basische Wirkung).
Frage
Schätzen Sie zuerst: Welchen pH-Wert haben Ihrer Meinung nach Kaffee, Blut und Backpulverlösung? Stellen Sie die Werte anschliessend am Regler ein und prüfen Sie, wie die vier Indikatoren darauf reagieren würden (Kaffee ≈ 5, Blut ≈ 7,4, Backpulverlösung ≈ 8,5).
Was beschreibt der pH-Wert einer Lösung?
Ein pH-Wert von 7 bedeutet:
pKa und pKb
Definition:pKa und pKb
pKa und pKb sind Masszahlen, die die Stärke von Säuren bzw. Basen in wässriger Lösung angeben. Der pKa-Wert wird als negativer dekadischer Logarithmus der Säurekonstante (a = acid) berechnet (im Deutschen oft /pKs). Dasselbe gilt für die Basenkonstante und den pKb-Wert (b = Base). Je kleiner der pKa/pKb, desto stärker ist die Säure/Base.
Info:Beispiele
Hier Beispiele für Säuren:
| Säure | pKa | Stärke |
|---|---|---|
| Schwefelsäure2 (H₂SO₄) | −3 | sehr stark |
| Essigsäure (CH₃COOH) | 4,76 | schwächere Säure |
| Kohlensäure (H₂CO₃) | 6,35 | deutlich schwächer |
| Phenol (C₆H₅OH) | 9,95 | sehr schwache Säure |
und hier für Basen:3
| Base | pKb | Stärke |
|---|---|---|
| Methylamin (CH₃NH₂) | 3,36 | mittelstarke Base |
| Ammoniak (NH₃) | 4,75 | schwächere Base |
| Anilin (C₆H₅NH₂) | 9,4 | sehr schwache Base |
Ordnen Sie die folgenden Alltagsstoffe nach ihrem pH-Wert – von sauer (oben) nach basisch (unten).
Ziehe die Schritte in die richtige Reihenfolge und klicke dann auf Prüfen.
- Leitungswasser
- Autobatteriesäure
- Abflussreiniger
- Seifenlösung
- Zitronensaft
Footnotes
-
Intuitiv beschrieben: Betrachtet man die Konzentration in mol/L, entspricht der pH-Wert ungefähr der Zahl der Nullen bis zur ersten Nicht-Null. Ist die Konzentration 0,01 mol/L, so ist der pH-Wert 2 (also 2 Nachkommastellen). Bei 0,0002 mol/L ist der pH-Wert ungefähr 4 (exakt sind es 3,7). ↩
-
Schwefelsäure kann bis zu zwei Protonen abgeben. Dieser Wert gilt für das erste Proton der Schwefelsäure (H₂SO₄). Das zweite Proton hat einen pKa von etwa 1,99. ↩
-
Starke Basen wie Natriumhydroxid (NaOH) dissoziieren in Wasser praktisch vollständig; für sie ist eine pKb-Angabe deshalb nicht sinnvoll — die Tabelle führt nur schwache Basen auf. ↩


